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Talking to the moon
26.03.2013 03:41

Ich bin wach, hellwach, noch mal blinzeln..., nein, es bleibt dabei. Nur warum weiß ich nicht wirklich. Wider besseren Wissens versuche ich erneut einzuschlafen. So starre ich erst hoffnungsvoll, kurz darauf ärgerlich an die Zimmerdecke. Und es kommt wie erwartet: Alle Gedanken, die man tagsüber in der finstersten Ecke versteckt und die einem nicht gut tun, drängen sich auf und schon geht es in meinem Kopf zu, wie in einem Hamsterrad. Na gut, schlafen wird vorerst nix mehr. Seufzend, meinem Schicksal ergeben, stehe ich auf, schlüpfe in meinen Morgenmantel und tapse barfuß durchs Haus. Alles ist wunderbar still. Ein kurzer Blick auf meine Lieben, die so friedlich schlafen, nur vom Mondlicht beschienen.

Aha Vollmond. Hast du mich um meinen Schlaf gebracht? Wohl eher nicht, aber wunderschön siehst du aus dort oben.

Unweigerlich meldet sich mein Magen und durchbricht die Stille. Auf zum Kühlschrank, dessen Inhalt heute, bei einem weniger gefestigten Menschen, schwere Depressionen auslösen könnte. Dann also Bratkartoffeln, für die könnte ich ohnehin morden.

Während die Zwiebeln und der Speck braten, schnippele ich Kartoffeln und koche mir einen Tee. Dann lösche ich das Licht, setze mich mit meinem Teller im Schneidersitz vor die Terrassentür und schaue hinaus in den Garten. Ein einzigartiger Anblick, den Mondlicht verzaubert alles, immer! Trotz der Jahreszeit bin ich froh, dass noch Schnee liegt, dadurch wirkt alles unwirklich silbern. Wer einmal nachts bei Vollmond durch einen Winterwald gelaufen ist, der vergisst das sein ganzes Leben nicht mehr.

Was magst du von dort oben alles sehen? Wie viele von meiner Sorte sitzen vorm Fenster und reden mit dir? Und wie vielen von denen ist klar, wie besonders so ein Moment ist? Und sind sie eher traurig, so wie ich oder sehnsuchtsvoll oder glücklich? Und egal, von wo die Menschen zu dir hoch schauen, es ist immer der selbe Mond, den alle sehen. Irgendwie tröstlich. Plötzlich sehne ich mich nach dem Sommer, dann würde ich jetzt rausgehen und barfuß durch das nachtfeuchte Gras laufen oder im Dunkeln Blumen pflücken. Das habe ich tatsächlich noch nie getan, dabei wäre es sicher interessant zu sehen, wie der Strauß bei Tageslicht ausschaut. Schön, dass es noch immer Sachen zu entdecken gibt. Früher bin ich in solchen Nächten spazieren gegangen, über die Felder zum Gegenstein, habe leise gesungen und tief eingeatmet, denn nachts riecht alles anders, habe Stunden unter dem Sternenhimmel verbracht. Hier ist das natürlich so nicht möglich, aber wenn ich das nächste Mal in der alten Heimat bin, hole ich es nach, das verspreche ich dir.

Da es niemandem hilft Vergangenem nachzutrauern, erhebe ich mich mit einem weiteren Seufzer und stelle fest, dass "satt" auch ein schönes Gefühl ist. Nur an Schlaf ist noch immer nicht zu denken. Also gehe ich in meine Werkstatt, um eine Seife zu machen. Ich rieche sämtliche Fläschchen durch und entscheide mich für „Osmanthus“ und ein schwarzes Eisenoxid, eine Mitternachstseife sozusagen, angenehm schwermütig, wie diese ganze seltsame Nacht und dazu ein wenig Silberpigment für die Mondstrahlen. Während ich mich aufs Abwiegen und Rühren konzentriere, kommt mein Kopf langsam zur Ruhe. Solche Arbeiten helfen mir dabei, mein quirliges Wesen unter Kontrolle zu bringen, was manchmal ganz gut tut. Meistens allerdings habe ich dahingehend gar kein Interesse, tatsächlich kann ich mich erstaunlich gut leiden: Meine verschrobenen Einfälle und die dusseligen Witze, meine Haare, die immer irgendwie ein Eigenleben haben und meinen Daueroptimismus, der mich selten im Stich lässt und den ich gegen nichts auf der Welt eintauschen würde!!.....…Na toll, nun denke ich doch wieder nach, aber mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen- immerhin.

 Meine Seife ist eh fertig, ich fülle sie in die Form und räume auf. Ich werde sie für mich behalten, sonst hätte ich wohl das Gefühl, ein Stück von mir zu verkaufen.

Ein letztes Mal für heute setze ich mich ans Fenster und schaue mir den Mond an. Dabei fällt mir eines meiner Lieblingslieder von Bruno Mars ein, das ich so gern auf dem Klavier spiele:“  ….Or am I a fool
who sits alone and
talking to the moon“

Gute Nacht da draußen!

Mädelstag
Unperfekt

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