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Warum einfach, wenn es kompliziert doch viel mehr Spaß macht
15.11.2012 20:57

Warum einfach, wenn doch kompliziert mehr Spaß macht
 

 

 
 

Ich bin eine natürliche Person. Das war mir natürlich längst bekannt, heute allerdings habe ich dafür 26 Euro bezahlt, somit ist es jetzt offiziell. Geplant war der Weg zum Gewerbeamt ohnehin. Mit dem Bus wohlgemerkt, denn wir haben November. Und was für einen: Seit Tagen bedeckt eine Eiskristallschicht alles, die Sonne scheint, der Himmel ist azurblau, die Menschen gut gelaunt  - nur nicht heute! Allerdings die Eisschicht ist noch da.

Als Mensch vom Land schreckt mich das nicht im Geringsten und die Eiskristalle sind wirklich wunderschön. Nach intensiven Internetrecherchen ist klar, dass auch nicht so bald ein Bus fährt. Also was macht der unerschrockene Deutsche? Richtig, er läuft. Bei Nebel und minus 2 Grad, 4,5 Kilometer in den nächsten Ort. Bewaffnet nur mit dem Lebenswichtigsten (Digicam, Handy, Gewerbeantrag und ein Würstchen auf die Faust), ziehe ich mir noch meine Inkognitokleidung an. Soll bedeuten, heute weder grüner Mantel noch rosa Schal, sondern einen langen schwarzen Mantel und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Damit sehe ich aus wie Kenny aus South Park und niemand erkennt mich auf den ersten Blick. Und so laufe ich durch den Nebel über Felder, an Bäumen und Büschen vorbei, springe nicht ganz so trockenen Fußes über einen Bach, fühle mich wirklich großartig dabei und nebenher fotografiere ich alle möglichen Pflanzen, die so verzaubert aussehen durch das Eis. Die Geräusche der Straße kommen nur gedämpft bei mir an und da ich ja ganz allein bin, singe ich lauthals alle Popsongs, die mir in den Sinn kommen. Der perfekte Augenblick! Ein Stück des Weges renne ich und in meinem Übermut drehe ich mich singend ein paarmal mit ausgebreiteten Armen um mich selbst - als ein älterer Herr mit Hund vor mir steht. Weiß der Himmel, wo der so plötzlich hergekommen ist, so mitten auf dem Acker. Etwas irritiert geht er leise grüßend an mir vorbei, um dann sofort in ein, wie ich finde, für sein Alter beachtliches Tempo zu verfallen. Wahrscheinlich ist die Verrückte vom Feld DAS Thema bei der nächsten Familienfeier. Aber Dank Inkognitomantel alles kein Problem.

Letztendlich brauchte ich geschlagene eineinhalb Stunden und musste das Navi auf meinem Handy befragen, um dann pünktlich 5 Minuten NACH Beginn der Mittagspause auf dem Amt anzukommen. Aber der Zufall und das Leben versorgen einen ja glücklicherweise immer irgendwie mit Kaffee. Meine eiskalten, nassen Füße waren ohnehin der Ansicht, auch wir hätten uns die Pause verdient und Dank des großen Bildschirms mit N24 konnte ich mich noch der politischen Bildung hingeben.

Und dann, der erhabene Moment: Punkt 13,00 Uhr, ich schreite hocherhobenen Hauptes in das Beamtenzimmer, bekomme meinen Stempel, bezahle und gehe wieder (grob geschätzte sieben Minuten Verweildauer insgesamt). Mutiere nach Verlassen der Tür zum Weichei und nehme für den Rückweg den Bus.

Mein besonderer Dank geht heute an die Erfinder der Mikrowelle und der chinesischen Dosensuppe, die sich glücklicherweise noch in den Untiefen des Küchenschrankes befand und mich nach nur zwei Minuten Erwärmzeit langsam wieder auftaute.

Fazit des Tages: Erwachsen sein wird völlig überbewertet und für so einen wunderschönen Tag zahle ich jederzeit mehr als 26 Euro! Und, und, und ich bin Gewerbetreiber!

Warum eigentlich Linnea

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